Plotterzeichnung

FELDPOST, 1941
Klick oder Tap öffnet skalierbare Ansicht
2 Tafeln à 20cm x 20cm
Pigmenttusche auf Aquarellpapier, aufgezogen auf Alu-Dibond
2016

Als Vorlage für diese Zeichnung diente ein Foto meines Großvaters, der als Wehrmachtssoldat im Zweiten Weltkrieg im durch Nazideutschland besetzten Norwegen stationiert war. Gemütlich Pfeife rauchend, schreibt er einen Brief, mutmaßlich an die Angehörigen zu Hause. Was er im Krieg wirklich erlebt hat, wird er, abgesehen von einigen harmlosen Anekdoten, niemals erzählen. Bei der Ausführung der digitalen Vorlage durch den Zeichenplotter treten Ungenauigkeiten und Fehler auf, so dass das ursprüngliche Motiv auf unvorhersehbare Art und Weise verfälscht wird — ebenso wie die spärlichen Erzählungen des lange verstorbenen Großvaters, die von einer Generation an die nächste weitergegeben werden.

Diese Arbeit ist Teil eines fortlaufenden Projekts, das auf alten Familienfotos und auf mündlicher Überlieferung durch noch lebende oder bereits verstorbene Verwandte basiert. Die realen Personen treten darin als fiktionalisierte Versionen ihrer selbst, also als Kunstfiguren, auf. Die Erzählung wird in allgemeine historische Geschehnisse eingebettet, wobei ich jedoch Symbole, Personen der Zeitgeschichte und Namen zugunsten einer größeren Allgemeingültigkeit durch eigene Erfindungen ersetze. Mein Interesse gilt dabei weniger den historischen Fakten, sondern den Ungewissheiten, wie z.B. unbewiesenen Behauptungen oder verschwiegenen Erlebnissen.